Von welcher Verpackung ins Lebensmittel?

Phthalate sind chemische Verbindungen, die als Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt werden. Einige Stoffe dieser Gruppe haben gesundheitsschädliche Wirkungen. Sie schädigen beispielsweise die Leber oder beeinflussen Hormonsystem und Fortpflanzungsfähigkeit. Für die verschiedenen Phthalate gibt es unterschiedliche Grenzwerte, teilweise sind sie verboten, unter anderem in Kinderspielzeug und Babyartikeln. Lebensmittelverpackungen werden inzwischen nur noch relativ selten mit Weichmachern hergestellt. Phthalate finden sich noch in PVC-Folien zum Verpacken von Frischfleisch oder in Deckeldichtungen von Twist-off-Gläsern. Mittlerweile gibt es jedoch auch hier Alternativen, die frei von PVC sind und teilweise an einer Blaufärbung des Dichtungsringes zu erkennen sind. Die in Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff auf Basis einer gesundheitlichen Bewertung durch die EFSA zugelassenen Phthalate sind in der EU-Kunststoffverordnung aufgeführt, einschließlich spezifischer Migrationsgrenzwerte und Verwendungsbeschränkungen. Auch während der Lebensmittelherstellung können Phthalate ins Lebensmittel gelangen, beispielsweise wenn Pflanzenöl durch PVC-haltige Schläuche gepumpt wird. Verunreinigte Rohstoffen, Reaktions-und Abbauprodukte bei der Herstellung und Übertragung bei Produktion und Transport können dazu führen, dass in Kunststoff verpackte Lebensmittel unbeabsichtigt gesundheitsgefährdende Substanzen aufnehmen.

Fachleute sprechen „Non Intentionally Added Substances“, abgekürzt NIAS. Derzeit besonders in der Diskussion stehen Abbauprodukte von Klebstoffen bei Verbundmaterialien oder auch Nonylphenol als Abbauprodukt einer Substanz, die dem negativen Einfluss von Sauerstoff, Licht und Hitze auf Kunststoffe entgegenwirkt. Nonylphenol steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Verunreinigungen sowie Reaktions- und Abbauprodukte vom Hersteller gemäß international anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen der Risikobewertung beurteilt werden müssen. Und auch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) berücksichtigt NIAS im kontext ihrer Risikobewertungen. Allerdings wird eingeräumt, dass es ausgeschlossen ist, all diese Stoffe zu berücksichtigen und bei der Risikobeurteilung aufzuführen. Die analytische Erfassung von NIAS kann durch ein sogenanntes „non-target-screening“ erfolgen, in der Gesamtheit mittels Gaschromatographie. Das Verfahren ist jedoch aufwändig und teuer. Wenn sich Auffälligkeiten zeigen, so muss anschließend eine spezifische Messung erfolgen. Dies geschieht aber nie für alle im Screening gefundenen Substanzen, sondern nur für die auffälligen Mengen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie das getestet? Wagner: Wir haben außerdem Schnecken, die sehr empfindlich auf östrogenartige Substanzen reagieren, in wassergefüllte PET-Flaschen und Glasflaschen gesetzt. In Plastikflaschen hatten sie eine etwa doppelt so hohe Reproduktion wie die in Glasflaschen. Wagner: Da bin ich anderer Meinung: Wenn sich die Reproduktion von Schnecken allein dadurch verdoppelt, dass sie in PET-Flaschen gehalten werden, ist das schon ein starker Hinweis darauf, dass Umwelthormone auslaugen. Es gibt übrigens nie behauptet, dass unser Schneckenmodell direkt übertragbar auf die menschliche Gesundheit ist. Vielmehr geht bei unseren Experimenten die rote Flagge hoch, die anzeigt, dass Umwelthormone enthalten sind. Das ist nur der Takeoff, und es ist dem nachgehen. SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das nicht gemacht? Wagner: Das haben wir versucht und auch andere. Das Problem ist: Wenn man nach den wenn nicht sucht – Weichmachern, Phthalaten, Bisphenol A – findet man diese im Mineralwasser, allerdings nur in geringsten Mengen.

Wir treffen den Grünen-Abgeordneten im Europäischen Parlament Martin Häusling. Über das Verbot von Bisphenol A durfte das Parlament aber unter keinen Umständen entscheiden. Ihm wurde deren Kommission ein einsamer Absenkung der Grenzwerte zur Abstimmung vorgelegt. Deswegen legt Häusling Veto gegen den Kommissionsvorschlag ein, zunächst unterstützt von anderen Parteien. Doch die anderen Parteien, die anfangs auch für ein Veto gewesen waren, seien umgefallen. Deshalb kommt der Vorschlag durch. Plusminus-Recherchen zeigen, was dahintersteckt: Mitglieder der EU-Kommission für Gesundheit nahmen vor der Abstimmung gezielt Einfluss auf Parlamentarier. Mehrere Insider berichten uns von Gesprächen inoffiziell. Dabei hätten die Kommissionsmitglieder klargemacht: Sollten die neuen Grenzwerte auf Ablehnung stoßen, werde sich bis 2021 nichts und wieder nichts ändern. Entweder das Parlament stimme zu oder es müsse weiter mit den hohen Grenzwerten leben. Das Prinzip: Friss oder stirb! Industrielobby unterstützt den Vorschlag der EU-Kommission? Plusminus liegt ein gemeinsames Papier der Verpackungs- und Chemieindustrie vor. Das Industrie-Interesse klar: Besser Grenzwerte, als auf den Stoff ganz verzichten zu müssen und für da muss eine alte Frau lange für stricken Produktionsprozesse umzustellen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick ins Ausland. In Japan werden in Konservendosen statt Bisphenol A bereits seit 20 Jahren unbedenkliche Ersatzstoffe verwendet. In Frankreich ist der Stoff in allen Lebensmittelverpackungen seit 2015 verboten. In Deutschland dagegen müssen nur Babyflaschen und nach der neuen Richtlinie auch Schnabeltassen für Kleinkinder ohne Bisphenol A produziert werden. Wer den gefährlichen Stoff vermeiden möchte, sollte beim Kauf das Dreiecksymbol mit einer 7 meiden und eher zu Kunststoffen damit Dreieckssymbol und einer 2, 4 oder 5 greifen, denn sie wurden definitiv ohne gesundheitsgefährdende Stoffe hergestellt. Bei Konserven dagegen gibt es gar keine Sicherheit. Die Politik lässt die Verbraucher alleine. Schützen kann man sich derzeit nur selbst.

Die Studienlage ist jedoch zwiespältig, Wissenschaftler, Behörden, Kunststoffindustrie und Verbraucherschutzverbände vertreten unterschiedliche Positionen. Besonders kontrovers diskutiert wird der sogenannte low-dose-effect, wonach möglicherweise eine sehr niedrige Dosis an BPA zu stärkeren Wirkungen führt als eine größere Menge. Im Januar 2015 hat die Dienststelle (EFSA) den Grenzwert für die Aufnahme von Bisphenol A aufgrund neuer Forschungsdaten deutlich verschärft. Sie setzte die duldbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht auf 4 Mikrogramm herab. Der TDI wurde vorläufig festgelegt, und die EFSA verpflichtete sich zu einer weiteren Neubewertung von BPA. Eine weitere Verschärfung des TDI ist seitdem noch nicht erfolgt, aber hinsichtlich des erlaubten Übergangs aus Lebensmittelkontaktmaterialien sind Verbesserungen in Sicht. In 2017 wurde der Stoff als „besonders besorgniserregende Substanz“ eingestuft als da sind wegen der reproduktionstoxischen Wirkung sowie der Einstufung als „endokriner Disruptor“ (hormonell schädliche Eigenschaften für den Menschen). Dies hat zur Folge, dass die Nutzung von BPA für Materialien im Lebensmittelkontakt weiter eingeschränkt wird. SML) von 0,05mg BPA pro kg Lebensmittel. 0,01mg/kg). Auch in der Kunststoffverordnung werden die Werte verschärft, hier wird der SML von 0,6mg/kg auf 0,05mg/kg gesenkt und das Anwendungsverbot für Babyflaschen aus Polycarbonat wird auf Trinkbecher und Flaschen für Kleinkinder ausgeweitet.

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